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Der Confidence-Mythos:

Warum Frauen im Job nicht unsicher sind, sondern pragmatisch

Während ihrer gesamten Karriere hören hochkompetente Frauen immer wieder dieselbe Rückmeldung: "Du müsstest einfach selbstbewusster auftreten. Glaub mehr an dich!"

Wie oft hast du diesen Ratschlag schon gehört? Oder sogar schon selber weitergegeben? Er ist ein Klassiker in der Arbeitswelt. Doch die Wahrheit ist: Er ist nicht nur ermüdend, er ist ein Mythos, der nicht sterben will. 

Schauen wir auf den Arbeitsalltag. Das bekannte Klischee: Männer bewerben sich häufiger auch dann, wenn sie Anforderungen nur teilweise erfüllen. Frauen oft erst dann, wenn sie sich deutlich passender fühlen. Im Meeting wirft der männliche Kollege eine halbgare Idee in den Raum und erntet anerkennendes Nicken. Die Kollegin wägt ab, feilt im Kopf an Details und, und schweigt am Ende. 

Der schnelle (und bequeme) Rückschluss? Frauen mangelt es an Selbstbewusstsein. Sie denken zu klein von sich. 

Stimmt nicht. Denn jetzt zeigen auch Studien: Das Selbstvertrauen von Frauen ist nicht geringer als das von Männern. Und in manchen Lebensphasen sogar höher.

Keine Unsicherheit, sondern reine Logik

Frauen verhalten sich nicht anders, weil sie nicht an sich glauben. Sie tun es, weil es für sie die absolut logischste Konsequenz ist. 

Wenn eine ambitionierte Frau entscheidet, eine Idee nicht vorzubringen oder sich nicht zu bewerben, dann ist das oft das Resultat purer Lebenserfahrung. Sie hat gelernt, dass sie in genau diesen Kontexten chronisch überhört, unterbrochen oder deutlich anders bewertet wird als ihr männlicher Kollege. 

Tritt sie zurückhaltend auf, wird sie übersehen. Tritt sie aber fordernd auf, gilt sie schnell als anstrengend, unnahbar oder bossy (die berüchtigte Likeability bias). 

Das Zögern vieler Frauen ist also kein verdecktes Imposter-Syndrom. Es ist eine extrem smarte, unbewusste Datenverarbeitung mit angepasster Kommunikation. Ein cleverer Überlebensmechanismus in einem System, das mit zweierlei Maß misst.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: „Wie werden Frauen selbstbewusster?“

Sondern: „Wie schaffen wir Arbeitswelten, in denen Kompetenz unterschiedlich sichtbar sein darf?“

Zeit, die Spielregeln zu ändern

Wir brauchen ein neues System. Wie das geht? Indem alle im Alltag aktiv werden.

Für Frauen: Erkenne das Spiel

  • Reframing: Mach dir klar, dass dein Zögern kein Fehler in deiner Persönlichkeit ist. Hör auf, dich selbst reparieren zu wollen.
  • Die eigene Zurückhaltung nicht vorschnell als Schwäche bewerten.

Sich fragen: Halte ich mich zurück ODER schütze ich mich vor einer bekannten Erfahrung?

  • Trau dich unfertig zu sein: Teste bewusst die Gewässer. Wirf deine Idee in den Raum – nicht, weil du musst, sondern weil du dir den Raum nimmst. 
  • Verbündete suchen und Räume nutzen, in denen Beiträge gehört werden 
  • Sichtbarkeit nicht mit Lautstärke verwechseln

Für Männer:

  • Hinterfrage, welche Verhaltensweisen als „selbstbewusst“ gelten UND bei wem
  • Frag weibliche Kolleginnen ganz gezielt nach ihrer Meinung, bevor schnelle Entscheidungen getroffen werden.
  • Vermeide Unterbrechungen

Für Organisationen:

  • Hinterfragt den Standard: Feiert nicht immer nur den Lautesten im Raum. Werft einen kritischen Blick auf eure Team-Dynamiken. Bewertet ihr gerade echte Kompetenz ODER doch nur souveräne Selbstdarstellung.
  • Bewertet bei Einstellungen und Beförderungen immer mehrere Kandidat:innen gleichzeitig statt einzeln – gemeinsame Evaluierungen reduzieren unbewussten Gender-Bias.
  • Erkennt, dass Confidence kein neutraler Begriff ist. Studien zeigen: Der Confidence-Gap ist „ansteckend": wer als selbstbewusst wahrgenommen wird, wird belohnt; wer zurückhaltender auftritt, wird bestraft, unabhängig von der tatsächlichen Leistung.

Lasst uns aufhören, Frauen zu hinterfragen. Und anfangen, Arbeitswelten zu gestalten, in denen Kompetenz nicht erst laut werden muss, um gesehen zu werden.

(Inspiriert von Ginka Toegels Forschung in „The Confidence Myth" (IMD, 2025))

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